Lost in Translation
Sprachgrenzen & Übersetzungen
04
Lost in Translation
04

Original und Fälschung

Bei der Synchronisation werden die Originalstimmen der Darsteller:innen durch fremde Sprechstimmen ausgetauscht. Aus technischer Sicht die schwierigste Übersetzungsmethode.


Einige Versuche mit diesem Verfahren wirken heute kurios. Bei den Aufnahmen zu Alfred Hitchcocks Blackmail (Erpressung, GB 1930) bewegt die Hauptdarstellerin Anny Ondra nur die Lippen…

Blackmail, Director Alfred Hitchcock (center), Anny Ondra, On Set, 1929
[FOTO ERSETZEN -> OHNE WASSERZEICHEN] Setfoto aus Erpressung. Rechts im Bild: Hauptdarstellerin Anny Ondra. Hat Regisseur Hitchcock hier die Stimme von ihrer Synchronsprecherin Joan Berry im Ohr?

… während die außerhalb des Bildrahmens platzierte englische Darstellerin Joan Berry den Text einspricht. Das Englisch der tschechisch-österreichischen Ondra genügt den Ansprüchen des Regisseurs nicht.


Diese Art der Live-Perfomance bleibt jedoch die Ausnahme. Bald synchronisieren professionelle Sprecher:innen Filme. Sie sprechen die Dialoge nachträglich im Tonstudio ein.

Auch wenn in den ersten Jahren ist die Synchronisation alles andere als makellos ist – der Ton klingt Dumpf, Lippensynchronität ist aus technischen Gründen kaum zu erreichen –, sehen Kritiker:innen in dem neuen technischen Verfahren bereits die Zukunft des Films.

Es ist so, als wäre man Zeuge eines Wunders geworden. […] Das Wunder ist, daß sie alle auf einmal deutsch sprechen. So als sei es ihre Muttersprache.

Film-Kurier, 02.10.1929

Die Synchronisation verspricht, die Export-Probleme zu lösen, die der Tonfilm selbst geschaffen hat.

Es handelt sich um ein Hilfsmittel des Filmes das vielleicht imstande ist, dem Sprechfilm, ob er nun hier oder in Europa hergestellt wird, die Brücke zum internationalen Markt zu bauen.

Film-Kurier, 02.10.1929

Mitte der 1930er-Jahre sind auch die technischen Hürden überwunden. Die Synchronisation setzt sich in Deutschland und anderen großen Sprachräumen durch.

In einigen Weltregionen verbreitet sich eine spezielle Übersetzungsmethode: wie in der Stummfilmzeit moderieren V-Jays die Filme „live“ im Kinosaal. In einigen ostafrikanischen Ländern entwickelt sich das Kino-Kommentieren zu einer populären Form der Filmpräsentation. So populär, dass einer der bekanntester V-Jays Kenias, DJ Afro, im Auftrag von Netflix Filmtrailer einspricht. Auch das dient – natürlich – der besseren Vermarktung.

Neflix-Kenya-Trailer zu Thunder Force (USA 2021, Ben Falcone) mit Kommentar von DJ Afro.