Der Teufel an der Wand
Die Laterna Magica
02
Der Teufel an der Wand
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Master of Ceremony

Neue Erfindungen erzeugen Ängste, nicht nur die der Laterna Magica. Dampfmaschine, Eisenbahn, Elektrizität – in der Zeit von Aufklärung und industrieller Revolution kommt einiges zusammen. Literatur und Kunst reagieren darauf mit einer neuen Lust am Unheimlichen.


Der unbestrittene Meister auf dem Gebiet der Projektionskunst ist der Belgier Étienne Caspar Robert, Bühnenname: Robertson. Bereits unmittelbar nach der Französischen Revolution schockierte er das Pariser Publikum mit seinen Phantasmagorien.

Laterna Sw Zuschnitt Fantasmagorie De Robertson Illustrator Moreau 1849Quelle: Quelle: Sammlung Werner Nekes / Miteigentümer (UzK/DFF/FMP)
Trugbilder auf der Leinwand. Illustration einer Fantasmagorie-Vorführung von Étienne Gaspard Robert, Bühnenname Robertson, mit der Laterna Magica.

Für seine Gespenstershows nutzt Robertson jeden optischen Trick. Er lässt Skelette und Geister auf das Publikum los, verblüfft mit dreidimensionalen Bildern, Donner- und Blitzeffekten, unheimlichen Geräuschen und Bauchredner-Einlagen.

Ich bin erst zufrieden, wenn das Publikum, schlotternd und schaudernd, aus Angst vor den heranstürmenden Geistern und Teufeln seine Hände hebt oder die Augen verdeckt.

Étienne-Gaspard Robertson

Robertson verwendet eine Laterna Magica auf Rollen, die er eindrucksvoll hin- und herbewegen kann. Für ausgeklügelte Bildmontagen benutzt er sogar mehrere auf einmal.

Laterna Magica Phantasograph RobertsonQuelle: Schweizer Kameramuseum – Vevey
Laterna Magica Phantasograph Robertson

Spezialeffekte

Eine weitere Spezialität ist eigens erzeugter Rauch, der zwischen seiner Objektivlinse und dem Publikum für unheimliche Stimmung sorgt.

Laterna Phantasmagorie Robertson Geister Im SaalQuelle: Wikimedia Commons | Public Domain
Geisterhafte Robertson-Phantasmagorie in Paris 1797, Stich von 1831

Mit allen Mitteln wird verschleiert, dass es sich nur um einen Trick handelt. Hundert Jahre vor dem Film hantiert der Magier live und auf offener Bühne mit dem, was wir heute Special Effects nennen.

Die Lust am Schrecken

Auf seine Weise setzt Robertson die Arbeit des Kirchenlehrers Athanasius Kircher fort, den er übrigens eifrig studiert hat. Beide haben erkannt: Die Lust an Angst und Grusel steckt schon in der Laterna Magica selbst.

Ihr Spiel mit Licht und Schatten – der Titel von Kirchers Buch – fordert die Fantasie heraus, rührt an elementare Gefühle der Menschen.

Kircher war also auf der richtigen Fährte. Die Geschichte geht nur ganz anders weiter, als es sich der fromme Mann gedacht hat. Thriller, Creature- und Horrorfilme gehören im Kino bis heute zu den populärsten Genres.