Der Teufel an der Wand
Die Geschichte der Laterna Magica
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Der Teufel an der Wand
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Es werde Licht

In ihrem einfachen Aufbau wirkt die Laterna Magica vertraut: Durch ein von hinten beleuchtetes Objektiv werden Bilder auf eine Leinwand geworfen, wie bei heutigen Beamern und Kinoprojektoren. Für die Menschen des 17. Jahrhunderts allerdings ist ihre Wirkung überwältigend.


In dieser Zeit beginnt die „Zauberlaterne“ ihre Wanderschaft über die ganze Welt. Das Prinzip der Lochkamera – der Camera obscura – wird bei der Laterna Magica ins Gegenteil verkehrt: Licht geht hinaus statt hinein.

Laterna Magica Llustration Verschiedene LaternenQuelle: Sammlung Werner Nekes / Miteigentümer (UzK/DFF/FMP)
Gehäuse
Hohlspiegel
Lichtquellen
Objektive
Bildhalter
Schornsteine
Projektion

Schematische Darstellung verschiedener Laterna Magica Modelle, 1794

Die Vorführungen in abgedunkelten Räumen gleichen der Urerfahrung der Steinzeithöhle. Es gibt noch kein elektrisches Licht. Im geheimnisvollen Schimmer von Kerzen oder Kalklichtern entstehen farbige Schattenbilder, die die Menschen in ihren Bann ziehen.

Dabei ist das Prinzip denkbar einfach: Die Strahlen einer Lichtquelle werfen – durch Reflektoren und Linsen gebündelt – das Motiv eines Glasbildes an die Wand.

Warnung vor dem Höllenfeuer

Laterna Athanasius Kircher Portrait
Ein Jesuit mit Ambitionen

Der Jesuitengelehrte Athanasius Kircher (1602-1680) ist der erste, der eine Laterna Magica beschreibt. Dienen soll sie, um Gläubigen den Weg ins Himmelreich zu weisen – nicht zuletzt über den Schrecken.

Die ersten vorgeführten Bilder sind nämlich Teufelsbilder, und die Jesuiten so etwas wie die multimedialen Influencer:innen ihrer Zeit. Der Ausdruck „den Teufel an die Wand malen“ entstammt unmittelbar dieser Erfahrung.

Laterna Kircher Warnung Vor Dem Hoellenfeuer Ars Magna Lucis Et UmbraeQuelle: Universitätsbibliothek Heidelberg | Public Domain
Warnung vor dem Höllenfeuer: Illustration aus Kirchers Ars Magna Lucis et Umbrae, 1671

Aufklärung

Mit dem Aufstieg des Bürgertums im 19. Jahrhundert verlieren Adel und Kirche nicht nur an Geld und Einfluss, sondern auch die Macht über die Laterna Magica. Sie wird zum Jahrmarktvergnügen, zum Zeitvertreib für ein staunendes Publikum.

Paul Sandby Gemaelde The Laterna MagicaQuelle: Wikimedia Commons | Public Domain
Paul Sandby, The Laterna Magica, 1760

Gezeigt werden jetzt komische Szenen, Reiseaufnahmen, Nachrichtenbilder von Vulkanausbrüchen.

Projektionskünstler:innen machen sie zur großen Show: Die meist auf Glasplatten gemalten Schiebebilder werden bewegt und kombiniert; zu hören gibt es dabei Musik, Geräusche oder wissenschaftliche Vorträge.

Eine Revolution bedeutet die Entdeckung des Gaslichts, das die trüben, flackernden Öllampen ablöst.

Neben Buch, Zeitungen und Theater ist die Laterna das Medium der Aufklärung und strahlt mit dieser um die Wette.

Gif Chroma 1 Blau OrangeQuelle: DFF/ Archiv Ruth Baumer & Günther Holzhey
Das Chromatrope nutzt das Prinzip der Laterna Magica, um bewegte Bilder zu projizieren. Dazu werden Glasscheiben mit bunten Mustern mithilfe einer Kurbel gegeneinander gedreht.