Wirklichkeit im Quadrat
Die Anfänge der Fotografie
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Wirklichkeit im Quadrat
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Halbe Erfolge

Im Dezember 1829 tut Joseph Niépce sich mit dem Schausteller Louis Daguerre zusammen. Daguerre hat keine Ahnung von Chemie, ist jedoch in ganz Paris bekannt. Für seine spektakulären Dioramen setzt er neueste multimediale Effekte ein.


Daguerres Publikum verlangt jeden Tag nach neuen Sensationen. Der gewiefte Geschäftsmann ahnt: Die Zeit ist reif für Niépces Erfindung. Und er weiß, wie man sie zu Geld machen kann.

Niépce Und Daguerre Farbige LithografieQuelle: National Museum of American History
Louis Daguerre, hier mit Niépces Neffen, Lithographie um 1851

Die ungleichen Geschäftspartner haben große Pläne: unter anderem wollen sie die Belichtungszeit der Fotoplatten verkürzen.

Beim gegenwärtigen Stand der Technik darf man sich nicht mit halben Erfolgen zufriedengeben; denn die geringste Verbesserung, die jemand anders an einer Erfindung anbringt, lässt häufig ihren ersten Urheber in Vergessenheit geraten.

Daguerre an Niépce, 1829

Niépce wird die Vollendung seiner Idee nicht miterleben: Er stirbt 1833 an einem Schlaganfall.

Die Erfindung der Daguerreotypie

Nach Niépces Tod forscht Daguerre weiter. Im April 1839 erweist sich endlich ein Verfahren als patentreif, bei dem Silberchlorid mit Quecksilberdampf entwickelt und mit erhitztem Kochsalz fixiert wird.

Niepce Daguerre Atelier 1837Quelle: Wikimedia | Public Domain
Die erste Daguerreotypie zeigt ein Stillleben in Daguerres Atelier im Jahr 1837

Zum ersten Mal in der Geschichte lässt sich ein Fotografieverfahren zuverlässig reproduzieren. Und – noch wichtiger – die Belichtungszeit ist kurz genug, so dass die abgebildeten Menschen scharf und deutlich zu erkennen sind. Zumindest wenn sie lange genug still halten.

Niépce Boulevard Du Temple By DaguerreQuelle: Wikimedia | Public Domain
Die erste Fotografie, auf der Menschen zu sehen sind, zeigt den Boulevard du Temple in Paris im Jahr 1838 von Daguerre aus dem Fenster seines Ateliers aufgenommen.

Obwohl er lediglich die letzten Schritte unternommen hat, nennt Daguerre seine Erfindung Daguerreotypie. Natürlich wird sie eine Weltsensation.

Ruhm & Ehre

Auch die französische Akademie der Wissenschaften ist begeistert. Daguerre geht als Erfinder der Fotografie in die Geschichte ein. Der französische Staat kauft ihm das Patent ab und macht es der Welt zum Geschenk. Alle dürfen von der Erfindung Gebrauch machen. Dafür erhält Daguerre eine lebenslange Rente.

Auch Niépces Sohn Isidore erhält einen kleinen Betrag. Der wirkliche Beitrag seines Vaters zur Erfindung der Fotografie wird allerdings erst gewürdigt, als die Notizen Niépces gefunden und sehr viel später sogar entziffert werden. Die dokumentieren als Laborbericht nicht nur seine Vorgehensweise, sondern auch seine Auffassung als Wissenschaftler in der Zeit der Aufklärung.

Nièpce Beschreibung Prozess Heliographien 2Quelle: National Museum of American History
Aufzeichnung Niépces zu seinen Héliographien