Wild, Wild West
Stereotype & Konventionen im Western-Genre
02
Wild, Wild West
02

Von der Manege auf die Leinwand

Western gibt es schon fast so lange wie das Kino selbst. Das liegt auch daran, dass „Wildwest“-Geschichten in der Unterhaltungskultur bereits vorher sehr populär waren. Schon ab den 1860er-Jahren begeistern dime novels das US-Publikum mit reißerischen Berichten aus dem „Wilden Westen“.


Wild West Shows

Der Büffeljäger William F. Cody, genannt Buffalo Bill, wird durch die Groschenhefte zur nationalen Berühmtheit. Seine Popularität nutzt er, um 1883 einen „Wildwest“-Zirkus aufzuziehen, der viele Standards und Klischees des Western vorformuliert.

Western Buffalo Bill Wild West Show Poster Native AmericansQuelle: Library of Congress / Buffalo, New York: Courier Litho. Co.
Wahre Begebenheiten
Sieger:innen und Besiegte
Übertreibungen
Open-Air-Spektakel
Darsteller:innen

Mit grellen Plakatmotiven wirbt William F. Cody für seine Shows

Buffalo Bill’s Wild West wird zur größten Show ihrer Zeit. Millionen besuchen die Tourneen in den USA und Europa. Als vor dem Ersten Weltkrieg das Publikumsinteresse nachlässt, zieht es viele Show-Darsteller:innen als Stuntleute und Statist:innen nach Hollywood.

1903 sorgt ein nur zwölf Minuten langer Film für Furore: Edwin S. Porters actionreicher The Great Train Robbery ist einer der ersten großen Kinohits und wird oft kopiert.

Das US-Publikum sieht in dem Film eher eine Gangsterstory. Trotzdem gilt er heute als erster Western der Filmgeschichte.

The Great Train Robbery (USA 1903)

Ab 1910 entwickelt sich das Westerngenre rasant. Bald entstehen „Wildwest“-Filme mit ausgefeilter Dramaturgie, packenden Action- und Massenszenen – aber auch mit zahlreichen Stereotypen.

Wildwest in Hollywood

Zum Beispiel David Wark Griffith‘ The Battle at Elderbush Gulch, in dem eine Farm von Native Americans überfallen wird.

Wikicommons The Battle At Elderbush GulchQuelle: Wikimedia | Public Domain
The Battle at Elderbush Gulch (USA 1913)

Solche Szenen waren schon in den „Wildwest“-Shows ein beliebter Höhepunkt. Der Film entfacht aber eine viel stärkere Dramatik: Die Montage versetzt das Publikum ins Innere des Farmhauses und lässt es mit den Bedrohten mitfiebern.

Filmausschnitt The Battle at Elderbush Gulch (USA 1913)

Bereits dieser frühe Western offenbart eine der problematischen Seiten des Genres: Native Americans werden als grausame Menschen verunglimpft.

Cowboystars und Wunderpferde

Das Genre bringt schnell große Leinwandidole hervor. Rund um den Globus fiebern Western-Fans den neuesten Abenteuern von Broncho Billy und anderen Film-Cowboys entgegen. Sogar Pferde gelangen zu Starruhm.

Für Schauspielerinnen bietet der klassische Western dagegen kaum Karrierechancen. Heroisch treten sie fast nur in Erscheinung, wenn es um die Verteidigung ihres bedrohten Heims geht. Oft nicht einmal das. Dann bleibt bloß der Part als „love interest“ des Helden – als schutzsuchende Siedlersfrau oder verruchte Saloon-Schönheit.