Film und Schokolade
Der Automatenkönig Ludwig Stollwerck
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Film und Schokolade
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Stumme Verkäufer

Was hat der Film mit Schokolade zu tun? Für Ludwig Stollwerck gehört beides unbedingt zusammen. Der Leiter der Kölner Schokoladenfabrik Gebr. Stollwerck mag alles, was seine Schokoladen verkauft. Und er liebt moderne Technik.


Stollwerck Schocoladentempel Sammelkarte
Auf der Weltausstellung 1893 in Chicago präsentiert sich Stollwerck mit einem 12 Meter hohen Schokoladentempel als eine global agierende Süßwarenfirma.

Ende des 19. Jahrhunderts sind Automaten groß in Mode. Ludwig Stollwerck steigt in das Geschäft mit Automaten ein.

Stollwerk Merkur Automaten Anzeige
Anzeige für den Merkur-Automat

Gegen Münzeinwurf erhält Stollwercks Kundschaft Schokolade, Bonbons oder gebrannte Mandeln. Für den Fabrikanten sind seine stummen Verkäufer das perfekte Geschäftsmodell. 

Essen aus Automaten: Ist das die Zukunft? Für Stollwerck schon. 1896 eröffnet er das erste deutsche Automaten-Restaurant in Berlin.

Automaten Stollwerck Schnellrestaurant 1896Quelle: Wikimedia | Public Domain
Fast Food: In der Zukunft kommt das Essen aus dem Automaten.

Die Automatisierung lässt den Schokoladen-Fabrikanten nicht los. Als der US-Erfinder Thomas Edison einen Filmbetrachter mit Münzeinwurf entwickelt, das Kinetoskop, holt Stollwerck es nach Deutschland. Er lässt es in den Automatenhallen aufstellen, die er inzwischen betreibt.

Kinetoskope
Kinetoskop

Bewegte Bilder sind von Edison nicht für eine Vorführung im Kinosaal gedacht, sondern für das kurze Vergnügen am Automaten.

Automaten Gif Loc Strongmen SandowQuelle: Library of Congress, Motion Picture, Broadcasting, and Recorded Sound Division
Bilderserie Sandow, the modern Hercules (Edison, USA 1894)

Gezeigt werden an dem neuartigen Apparat fotografische Bilderserien, die bei schneller Betrachtung die Illusion einer fließenden Bewegung vermitteln.

Goldgräberstimmung

Das junge Medium, das noch niemand richtig kennt, sorgt für Goldgräberstimmung.

Stollwerck verhandelt nicht nur mit Edison, sondern auch mit dem deutschen Ingenieur Ottomar Anschütz, der mit seinem Elektrischen Schnellseher an einem ähnlichen Produkt arbeitet.

Zusätzlich beauftragt Stollwerck den Erfinder Georges Demenÿ die dritte Version eines Filmbetrachters zu entwickeln. In fieberhafter Konkurrenz arbeiten alle am selben Problem: Wie lässt sich mit dieser neuen Erfindung Geld verdienen?

Deutsches Museum Anschuetz SchnellseherQuelle: Deutsches Museum, München, Archiv, BN57102
Elektrischer Schnellseher von Ottomar Anschütz

Die Idee vom Filmbetrachter lässt auch nachfolgende Tüftler nicht los. Um 1959 bietet die franzöische Firma Cameca eine Jukebox für Filme an: die Scopitone.

Gegen Münzeinwurf sieht man Stars wie Françoise Hardy, Serge Gainsbourg und Johnny Hallyday in einer frühen Form des Musikvideos. Die Filme – 16mm-Filme auf kleinen Spulen – waren meist sehr kurz, aber im Unterschied zum Vorläufer Panoram in Farbe.

Quelle: Sammlung Werner Nekes / Miteigentümer (UzK/DFF/FMP)
Die Film-Jukebox Scopitone

Das Geschäft mit Schokolade ist nicht ohne: Stollwerck, zeitweilig einer der größten Schokoladenhersteller, profitiert ab Mitte des 19. Jahrhunderts von der wirtschaftlichen Ausbeutung westafrikanischer Länder.

Stollwerck Kolonialismus Schokolade VerpackungQuelle: Schokoladenmuseum Köln GmbH
Schokolade für den König

Sehr zur Freude von Wilhelm II. bringt die Firma eine „Deutsche Kolonial-Schokolade“ heraus. Und wirbt damit, dass diese angeblich ausschließlich aus Kakaobohnen aus „deutschen Kolonien“ besteht.

Landesweit hatte Kakao aus den von Deutschland kolonisierten Gebieten jedoch nur einen verschwindend geringen Anteil am Kakaoimport.