Lost in Translation
Sprachgrenzen & Übersetzungen
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Lost in Translation
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Eigenständige Sprachfassungen

In Europa und den USA betreiben einige Studios einen Riesenaufwand, indem sie ihre Produktionen in mehreren Sprachen drehen: sogenannte Mehrsprachversionen. Jede Fassung ist ein eigenständiger Film mit eigenen Dialogen, eigenen Einstellungen und – gar nicht selten – eigenen Darstellern.


Trotz immenser Kosten entstehen die sogenannten Mehrsprachversionen in großer Zahl. Anfang der 1930er Jahre werden 40 Prozent aller deutschen Produktionen als Mehrsprachenversionen realisiert.

Heute sind nur noch die wenigsten Mehrsprachenversionen erhalten. Dabei wurden sogar von M – eine Stadt sucht einen Mörder und Der blaue Engel (beide 1930), zwei der berühmtesten deutschen Tonfilmklassiker, fremdsprachige Versionen für den Export hergestellt. 

Die Dreigroschenoper

Auch Die Dreigroschenoper und sein französisches Gegenstück L’opéra de quat’sous drehen Regisseur G. W. Pabst und Kameramann Fritz Arno Wagner 1931 am selben Set in Berlin. Abwechselnd filmen sie Szene für Szene erst in der einen, dann in der anderen Sprache.

Filmstill DreigroschenoperQuelle: Deutsche Kinemathek / Hans G. Casparius
Bei den Dreharbeiten in Berlin begegnen sich Mitwirkende aus Frankreich und Deutschland. Odette Florelle und Carola Neher spielen in L’opéra de quat’sous/Die Dreigroschenoper (1931) die Hauptrolle der Polly.

Der Vergleich beider Sprachversionen bringt Unterschiede in der Inszenierung ans Licht. G. W. Pabst nutzt das Verfahren, um den Filmstoff an den jeweiligen Markt anzupassen, und trägt so den abweichenden Sehgewohnheiten in beiden Ländern Rechnung.

Eine Szene aus Die 3-Groschen-Oper (1931, R: G.W. Pabst)

Die gleiche Szene aus L’Opéra de quat’sour (1931, R: G.W. Pabst)

Das Publikum nimmt die Mehrsprachenversionen sehr gut an. Trotzdem verschwinden sie schon nach wenigen Jahren fast vollständig vom Markt. Ein Grund sind die hohen Kosten, ein anderer der heraufziehende Nationalismus, der auch vor der Filmpolitik nicht Halt macht.

Remakes folgen heute einer ähnlichen Logik wie Mehrsprachversionen: Vor allem Hollywood verfilmt immer wieder fremdsprachige Stoffe, die sich im Ausland als Hit erwiesen haben, neu. Untertitel und Synchronfassungen sind beim US-Massenpublikum unbeliebt. Außerdem lassen sich Filme mit eigenen Stars und einem aufs eigene Land zugeschnittenen Drehbuch viel besser vermarkten.